Petra Köhle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin, Recherchebild Palais des Nations Genf, 2020

20. August 2021 — 22. Oktober 2021

Petra Köhle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin

Institutional Memory Section (Arbeitstitel)

Die Analyse der Bedingungen von Archivierungsprozessen stellt eine zentrale Beschäftigung in der künstlerischen Praxis von Petra Köhle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin dar. Nicht selten bildet die Auseinandersetzung mit einem Archiv die Grundlage ihrer Recherchen zu Fragen von Repräsentationsmechanismen, Vermittelbarkeit und Un/sichtbarkeiten von Geschichte. Köhle/Vermot (re-)konstruieren historische Ereignisse und analysieren Archivierungsstrategien unter besonderer Berücksichtigung der Fotografie als vermeintlicher Objektivitätsgarantie. In unterschiedlichen Settings fragen sie danach, wie fotografische Prozesse und die ihnen innewohnenden Praktiken der Selektion, des Ausschlusses und der Manipulation unsere Wahrnehmung beeinflussen. 

Das Medium der Sprache ist neben der Fotografie ein weiterer zentraler Interessensschwerpunkt von Köhle/Vermot. Bereits in früheren Arbeiten haben sie sich mit dem «Dazwischen» auseinandergesetzt: Mit dem, was an Ungeheuerlichkeiten zwischen den Worten und Sätzen liegt, mit der Frage, wie die Geschichte einer einzelnen Person mit dem «grossen Ganzen» verflochten ist und wie sich die Rolle der einzelnen Menschen innerhalb dieses Gefüges gestaltet. Diesen Faden rollt das Künstlerduo in ihrer Ausstellung Institutional Memory Section (Arbeitstitel) im kunstkasten auf, indem sie sich mit Geschenken im Zusammenhang mit dem Bau des Palais des Nations in Genf beschäftigen. Der zwischen 1929 und 1938 gebaute Gebäudekomplex, der von 1933 bis zur Auflösung des Völkerbundes im Jahr 1946 der Hauptsitz dieser Institution war, ist seit 1966 europäischer Hauptsitz der Vereinten Nationen. Bereits 1932 begann der Völkerbund die Mitgliedstaaten aufzufordern Geschenke anzubieten, die das Interesse an diesem «oeuvre mondial» bekunden sollten.

Das Thema einer «nationalen Repräsentation», die im Spannungsfeld zum «internationalen Geist» der Vereinten Nationen steht, untersucht das Künstlerduo im Rahmen ihrer Langzeitrecherche nun für ihr Ausstellungsprojekt im kunstkasten. Köhle/Vermot greifen die Geschenke als einen Teil der Geschichte dieses Gebäudes auf und befragen den Platz und die Rolle künstlerischer Produktionen in den diplomatischen Beziehungen in einer Epoche, die sowohl von Konkurrenz zwischen Staaten als auch vom Wunsch geprägt ist, internationale Verständigung und Zusammenarbeit zu entwickeln. 

Petra Köhle und Nicolas Vermot-Petit-Outhenin (beide *1977, leben und arbeiten in Zürich) studierten Fotografie, Theorie und Bildende Kunst an der Zürcher Hochschule der Künste, an der Central Saint Martins University of the Arts, London, und an der Universidad del Ciné, Buenos Aires. 2020 haben sie in einem kollaborativen PhD-Projekt an der Universität für Kunst und Design Linz promoviert. Seit 2020 leiten sie gemeinsam den Master of Arts in Public Spheres an der EDHEA – Schule für Gestaltung und Hochschule für Kunst Wallis. Jüngste Ausstellungen: Situations sensibles (2020), F’AR, Lausanne, CH; Ankäufe der Stadt Zürich (2019), Helmhaus, Zürich, CH; black. Blue skies becoming almost (2018), Kunstverein Wagenhalle, Stuttgart, D; And if... Just if... (2017), Centre d'Art Contemporain de Chanot, Paris, F; Blackout (2017), Corner College, Zürich, CH; Die Versammlung (2017), Shedhalle, Zürich, CH; Shadows of Others (2017), Gallery Annex14, Zürich, CH.

Kuratiert von Julia Wolf

Mit freundlicher Unterstützung von